Projekte

2019: Abgelehnter Förderantrag für BAM! (Auszug)

An
Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V.
c/o Roland Quitt

DETOX: GELDWÄSCHE
Ausführliche Beschreibung

DETOX: GELDWÄSCHE // Idee

Das Geld zwingt das sich Widersprechende zum Kuss.
(Karl Marx)

Wir leben im Zeitalter des globalen Kapitals: Geld entscheidet alles. Niemand kann
sich seiner omnipräsenten Macht entziehen, sei es ein Milliardär oder ein Obdachloser;
zugleich gäbe es auch ohne Geld keinen Unterschied zwischen den beiden: Geld
unifiziert und trennt. Geld ermöglicht und verhindert. Geld ist gleichzeitig materiell und
transzendent. Vor allem aber ist Geld dreckig. Es hat Flecken von Kolonialismus, Kriegen,
Ausbeutung, Genozid. Diese Aura ist dem Medium unverzichtbar. Wir fassen es täglich
an. Wir waschen unsere Hände. Das Geld bleibt dreckig. Wir machen Kunst.
Als ein Teil des globalen Marktes ist der Kunstmarkt einer von vielen Filtern der
Geldzirkulation. Die Mittel, die im Rahmen des staatlichen Kulturauftrages zur Förderung
der Kunst ausgegeben werden, sind von den Widersprüchen, die dem Geld inhärent
sind, nicht frei. Woher kommt das Geld? Sind selbst die kritischsten Arbeiten der Kunst
einfach schlicht Geldwäsche?
Im Rahmen unserer Arbeit möchten wir das Publikum auf diesen Aspekt des Kunstmarktes
aufmerksam machen. Wir möchten die Widersprüchlichkeit des Verhältnisses zwischen
Kunst und Geld thematisieren und dadurch kritisches Denken fördern. Dafür bieten wir dem
Festival den Service der GELDWÄSCHE ALS KLANGINSTALLATION / PERFORMANCE
an. Das Waschen wird dabei zugleich als klangliches wie auch als performatives Ereignis
komponiert und inszeniert.

DETOX: GELDWÄSCHE // Denkbare Formate
Je nachdem, in welchem Ausmaß der kuratierenden Jury das Waschen von Geld aus
öffentlicher Hand klanglich und moralisch notwendig erscheint, sind dabei verschiedene
Formate denkbar:
Als simpelste Variante könnten wir in Form (a1) einer kurzen Late Night kleinere
Münzbeträge von Hand waschen, z.B. unsere eigene Abendgage. Wir wären aber auch
bereit, über die Dauer des gesamten Festivals an verschiedenen Orten (a2) die manuelle
Geldwäsche als mobilen Service mit drei Fahrrädern und einem Anhänger anzubieten,
z.B. auch für Zuschauer*innen, die uns aus ihren Portemonnaies ihr Geld zum Waschen
übergeben möchten.
Falls eine darüber hinaus gehende Nachfrage besteht, d.h. der Wunsch, größere Mengen
Geldes aus öffentlichen Mitteln zu reinigen, z.B. von den Widersprüchlichkeiten der
Steuereinnahmen aus deutschen Waffenexporten, würden wir mit dem (b2) Waschsalon
Torstraße 115 (14 Waschmaschinen, 8 Trockner) oder mit dem (b3) Ankleideraum der
Volksbühne (4 Waschmaschinen, 4 Trockner) kooperieren.
Wenn gewünscht und finanzierbar, können wir uns auch vorstellen, mit Hilfe zusätzlicher
Performer*innen das gesamte Festivalbudjet von 90 000,- €, das sind etwa 5 Kubikmeter
1- Euro-Münzen, in Form einer (c) Performance / Komposition auf einer der größeren
Bühnen in mehreren manuellen und maschinellen Waschgängen zu reinigen.

DETOX: GELDWÄSCHE // Umsetzung

(a1) Late Night
Format: Kurze Performance
Dauer: 20’ – 30’
Anzahl der beteiligten Performer*innen: 3
Ort: eine(r) der kleineren Räume/Bühnen (z.B. AckerStadtPalast, Roter Salon o.ä.)
Ausstattung: einfach. Eimer, Bürsten, Waschbretter, Zahnbürste, Poliertücher,
Arbeitskleidung, evtl. eine antike Waschmaschine der Firma Miele (Wert ca. 800,-
Euro, Baujahr ca. 1903 aus privatem Bestand) + Elektronik und Instrumente (ebenfalls
aus privatem Bestand).
Kosten: 1000,- € (+ Eigenmittel, u.a. antike Waschmaschine)
Beschreibung: Drei Performer*innen waschen kleinere Münzbeträge von Hand, beispielsweise
ihre eigene Abendgage. Mehrere Waschgänge sind geplant: Einweichen, grob mit
Waschbrettern, fein mit Bürsten, sehr fein mit Zahnbürsten etc. Die leiseren Geräusche
werden elektronisch verstärkt.

(a2) Mobiler Service / manuell
Format: Dauerperformance
Dauer: an 4 Tagen jeweils ca. 3 Stunden
Anzahl der beteiligten Performer*innen: 3
Ort: Kassenbereiche der jeweiligen Veranstaltungsorte, Raucherbereiche. Evtl. kann
man den Service nicht nur den Besucher*innen von BAM! anbieten, sondern auch
Passant*innen auf den Wegen zwischen den Veranstaltungsorten.
Ausstattung: einfach. Eimer, Bürsten, Waschbretter, Zahnbürste, Poliertücher,
Arbeitskleidung, evtl. eine fahrbare antike Waschmaschine der Firma Miele (Wert
ca. 800,- Euro, Baujahr ca. 1903 aus privatem Bestand) + Elektronik und Instrumente
(ebenfalls aus privatem Bestand). Dazu 3 private Fahrräder, eines davon mit Anhänger,
sowie Klapptische oder Böcke + Platte. Evtl. Flyer von BAM!
Kosten: 3000,- € (+ Eigenmittel)

Beschreibung
Drei Performer*innen fahren mit Fahrrädern zwischen den verschiedenen Standorten
des Festivals hin und her. Im Kassenbereich, in Vorräumen, bei gutem Wetter auch auf
der Straße werden kleine Klapp-Waschtische aufgebaut und Münzen gesäubert. Die
leiseren Geräusche (z.B. Zahnbürsten) werden elektronisch verstärkt.
Wir bieten diesen Service allen an, die uns aus ihren Portemonnaies ihr Geld zum
Waschen übergeben möchten.
Die Waschgänge unterscheiden sich an den verschiedenen Festivaltagen. An jedem
Tag führen wir neue Waschgänge durch (Einweichen, grob mit Waschbrettern, fein mit
Bürsten, sehr fein mit Zahnbürsten etc.), sodass auch Besucher*innen, die mehrmals zu
BAM! kommen, ein breites Repertoire musikalischer und performativer Inhalte erleben
können.
Es ist durchaus denkbar, diese Performance nicht nur rund um das Festival
durchzuführen, sondern als mobilen Service in der Stadt auch an zusätzlichen Orten in
Mitte anzubieten. Dabei entstünde der Nebeneffekt, dass die Gruppe Detox während
des Festivals mit Flyern für BAM! Werbung machen könnte.

(b1) Klanginstallation im Waschsalon Torstraße 115
Format: Klanginstallation
Dauer: Flexibel, mind. 2 Stunden pro Tag
Anzahl der Beteiligten: 3 Betreuer*innen, 2 Mitarbeiter*innen des Waschsalons/
Cafés, 1 Ausstatter*in (Kostüm, Lichtkonzept)
Ort: Waschsalon Torstrasse 115
Kosten: 3200,- € (+ Eigenmittel)
Beschreibung
Im Waschsalon/Café Torstraße 115 werden Münzen (z.B. von den Besucher*innen
des Waschsalons) in den dort vorhandenen Waschmaschinen gewaschen. Durch die
Simultanität von mehreren Waschvorgängen entsteht eine Polyphonie des Waschens:
Spülen, Schleudern, Abpumpen usw. überlappen sich. Diese Version hat einen stark
ausgeprägten installativen Charakter.
Stand der Recherche
Im Waschsalon Torstraße 115 befinden sich 14 Waschmaschinen, 8 Trockner und ein
Café.
Kontakt zum Betreiber besteht. Wenn diese Version der Geldwäsche von der Jury
gewählt wird, kann ein Konzeptionstreffen vereinbart werden.
Anmerkung
Wenn die Kooperation mit dem Waschsalon nicht zustande kommen sollte, wechseln
wir zur Version (a2) Mobiler Service / manuell.

(b2) Klanginstallation/Performance im Ankleideraum der Volksbühne
Format: Klanginstallation/Performance
Dauer: pro Tag 10 x 20’
Anzahl der Beteiligten: 3 Performer*innen (Betreuung), 2 Mitarbeiter*innen der
Volksbühne, 1 Ausstatter*in (Kostüm, Lichtkonzept)
u: Ankleideraum der Volksbühne
Ausstattung: N.N. in enger Absprache mit Frau Köhler
Kosten: € 3800 (+ Eigenmittel)
Beschreibung
Auch diese Version hat einen installativen Charakter. Im Ankleideraum der Volksbühne
werden (analog zu b2) Münzen gewaschen. Das Involvieren von Performer*innen, die
zusätzlich Geld von Hand reinigen, ist möglich. Die Entscheidung darüber muss aber in
Absprache mit den Mitarbeiter*innen der Volksbühne getroffen werden (siehe unten).
Stand der Recherche
Im Ankleideraum der Volksbühne befinden sich 4 Waschmaschinen und 4 Trockner,
sowie ein relativ großer Aufenthaltsbereich für die neun in Schicht arbeitenden
festangestellten Mitarbeiter*innen der Kostümabteilung. Detox hat Kontakt zu Frau
Köhler (Chefin) und Frau Schirra (Ankleide) aufgenommen. Bisher gab es noch keine
Performances mit Publikum in diesen Räumen. Falls sich die Jury für diese Version
entscheidet, würden wir mit den Mitarbeiter*innen der Volksbühne gemeinsam an
einem unter den gegebenen Bedingungen realisierbaren Format arbeiten. Dabei
wären folgende Fragen zu klären: Sicherheit der Besucher*innen, Regelungen für
das Betreten der nur für Personal zugänglichen Räume der Volksbühne, Schutz der
persönlichen Arbeitsräume, Schutz der Maschinen etc.
Anmerkung
Wenn die Kooperation mit der Kostümabteilung nicht zustande kommen sollte,
wechseln wir zur Version (a2) Mobiler Service / manuell.

(c) Performance auf einer der größeren Bühnen
Format: Performance, Komposition
Dauer: 60 – 80 Min.
Künstlerische Leitung, Komposition, Inszenierung: Detox (Vinicius Giusti, Maja von
Kriegstein, Anton Wassiljew)
Die Beteiligten: Mykoriza, Ensemble MaNN AUS OBST (insgesamt 7 Personen), 1
Ausstatter*in (Bühne, Kostüm, Lichtkonzept), Sicherheitskräfte (Aufsicht des Geldes).
Ort: Einer der größeren Räume (z.B. Foyer der Sophiensaele o.ä.).
Ausstattung: 1–5 Kubikmeter 1-Euro-Münzen auf Paletten, Eimer, Bürsten, Waschbretter,
Zahnbürste, Poliertücher, Arbeitskleidung, eine antike Waschmaschine der Firma Miele
(Wert ca. 800,- Euro, Baujahr ca. 1903 aus privatem Bestand) + Elektronik, Video und
Instrumente (ebenfalls aus privatem Bestand).
Kosten: 15 000,- €, davon 5000,- € Eigenmittel bereits gesichert, zuzüglich Probenraum,
Infrastruktur und technische Betreuung vom Theater unterm Dach für 4 Wochen
(Zeitraum der Stückentwicklung) im Wert von ca. 4000,- €.
Beschreibung
Diese Form der Geldwäsche findet auf der Bühne statt. Komposition, Improvisation
für eine Waschmaschine und Instrumentalist*innen unter Einbeziehung von Audio und
Video. Kollektives Komponieren. Mehrere Waschgänge sind geplant: Einweichen,
grob mit Waschbrettern, fein mit Bürsten, sehr fein mit Zahnbürsten etc. Die leiseren
Geräusche werden elektronisch verstärkt.
Diese Version würde uns ermöglichen, zusätzlich zu den traditionellen Mitteln der
Geld- und damit der Gewissenswäsche (Hypnose, Spülmittel und Autosuggestion) auch
alternative Reinigungstechniken zum Einsatz zu bringen: Farb-, Aroma-, Paartherapie
Mensch und Geld, Massage.

Erläuterung zu den Beteiligten
Das Projekt findet in enger Zusammenarbeit von der Künstlergruppe Mykoriza und
dem Ensemble MaNN AUS OBST statt. Die beide Gruppen verbindet die Idee des
kollektiven Arbeitens in Komposition, Improvisation und Inszenierung.
Erläuterung zur Stückentwicklung
Dieses Projekt wäre eine Kooperation von BAM! mit dem Theater unterm Dach,
da der gesamte Proben- bzw. Stückentwicklungsprozess auch auf der dortigen Bühne
stattfinden würde. Dazu gehören auch drei Voraufführungen im TUD in einem kleineren
Maßstab (ohne große Geldmengen, Security etc.)
Stand der Recherche
Es ist möglich, sehr große Mengen Kleingeldes für ein paar Tage aus einer Bank
auszuleihen. Die Deutsche Bundesbank wäre bereit, gegen eine Gebühr von 500,- €
eine Summe von 90 000,- € in 1-Euro-Münzen auf Palletten zur Verfügung zu stellen.
Das sind etwa 5 Kubikmeter.
Denkbare Geldquellen
• das gesamte Festivalbudget vom BAM!
• Privatkredite der Gruppe Detox: 40 000, – € (≈ 2.5 Kubikmeter 1-Euro-Münzen auf
Paletten)
Die Zahlen, mit denen wir hier arbeiten, klingen möglicherweise vollkommen
übertrieben. De facto waschen wir aber, wenn wir 100 000,- € reinigen, nicht einmal
ein Prozent der Erlöse aus deutschen Waffenexporten im Jahr 2019

Upcoming: 18. April 2026
Auftakt zum Geldwaschen 2026 – Einladung in den Keller

13:00 Uhr
15:00 Uhr
17:00 Uhr

vor dem Haus
Großbeerenstraße 20
10963 Berlin / Kreuzberg

11. Februar 2024
Flashmob/Intervention #2 im Humboldt-Forum Berlin

Zweiter Versuch. Unangekündigte, leise Intervention in der interaktiven Ausstellung Berlin Global. Mehrere Stunden lang laufen wir immer wieder durch dieselben Türen der Ausstellungsräume, wobei kleine Sounds ausgelöst werden. Die Türen sind mit scheinbar einander ausschließenden Aussagen beschriftet „Ich will Veränderung wagen“ versus „Ich will schützen, was wir haben“. Man muss in der Ausstellung immer eine von zwei Möglichkeiten wählen. DETOX können sich nicht in dieser zugespitzten, binär gedachten Weise entscheiden. So laufen wir immer hin und her, vorwärts und rückwärts, zusammen und alleine, unsererseits auch ohne Lösung. 98% Verzweiflung, 2% Witz.


Foto: Anton Vasilyev


Foto: Anton Vasilyev

2023: Konzeption Geldwäsche, veröffentlicht in positionen

Geld sichert Herrschaft. Geld ist anonym und abstrakt. Historisch gesehen hat diese Verknüpfung von Macht und Quantifizierbarkeit die Welt verändert. Geld kann unendlich akkumuliert werden, im Gegensatz zu Waren oder Arbeitsleistungen. Geld hat damit den Boden für Ungerechtigkeit in einem neuen Ausmaß bereitet und sichert sie bis heute.

Der Anthropologe David Graeber macht darauf aufmerksam, dass Geld verharmlost wird. Er zeigt auf, dass das geläufige Narrativ der Entstehung des Geldes als Vereinfachung des Tauschhandels viel zu kurz greift. Er weist nach, dass die Erfindung von Geld im Kern auf Finanzierung von Kriegen zurückzuführen ist.

In globalen Kapitalströmen trägt Geld symbolisch jede vorherige Transaktion in sich. Es trägt Spuren von Kriegen, Waffenexporten und Sklaverei. Alle, die Geld benutzen, sind verstrickt – auch diejenigen, die nur indirekt von globalen Geschäften profitieren, in Form von Kunstförderungen und Gehältern. Niemand kann sich außerhalb der weltweiten Zusammenhänge verorten, auch wenn durch den Komfort eines Lebens in einem reichen Land diese Zusammenhänge verschleiert werden.

Kunst ist eine Geldwaschmaschine: Das Geld mit einer langen Transaktionsgeschichte wird ins System Kunst eingespeist und kommt dann eventuell sauberer raus. Sogar in einer vergleichsweise gut funktionierenden Demokratie koexistieren Waffenexporte in Bürgerkriegsgebiete und Kunst – wobei Letzteres für die Grundhygiene sorgt.

In der künstlerischen Aktion des Geldwaschens legen die Künstler*innen ihre eigene Verstricktheit in die globalen Kapitalströme offen, thematisieren die eigene Teilnahme an der Aufrechterhaltung der globalen Ungerechtigkeit. Das Projekt ist ein symbolischer Akt, zu 98% verzweifelt und zu 2% witzig. Durch das Waschen wird versucht, dem Geld seine Anonymität zu entziehen und die Patina des Vergessens zu entfernen.

Je nach Anlass werden immer neue Formen und Formate gesucht. Die erste Realisierung dieser Idee fand 2019 als Ensemble-Stück in der Berliner Szene des zeitgenössischen Musiktheaters statt. Das Ensemble MaNN AUS OBST#5, damals bestehend aus Anton Vasilyev, Edith Steyer, Laia RiCa, Maja von Kriegstein und Wieland Möller erarbeitete einen Abend, in dem Elemente von Klanginstallation, Improvisierter Musik und postdramatischem Theater zu einer klagend-komisch-absurden Waschfabrik zusammengebaut wurden. Dabei trafen in den Personen der Beteiligten DDR-Geschichte, Revolution in El Salvador und Mittelbaustelle an einer deutschen Universität, Improvisierte Musik als oft eine unterfinanzierte und Neue Musik als die meist öffentlich geförderte Sparte der modernen Kunst aufeinander. Die geteilte Sehnsucht nach einer Alternative zu Individualismus und Turbokapitalismus bei gleichzeitiger großer Diversität der politischen Hintergründe, der musikalischen Sprachen und der Arbeitsweisen wurde zu einer produktiven Herausforderung.

Jetzt greifen Maja vK und Anton X als Team Detox die Idee wieder auf und machen daraus ein Langzeitprojekt. Money Laundering ist als andauernde Veranstaltungsreihe angelegt, deren Teile an verschiedenen Orten stattfinden können. Je nach Anlass und Auftraggeber*in variiert die Form dieser Aktionen: Performance, Klanginstallation, Konzeptkunst, Konzert, Flashmob.

erschienen im Februar 2023 in:
Positionen. Texte zur aktuellen Musik

13. Januar 2024
Flashmob/Intervention #1 im Humboldt-Forum Berlin

Unangekündigte, leise Intervention in der interaktiven Ausstellung Berlin Global. Mehrere Stunden lang laufen wir immer wieder durch dieselben Türen der Ausstellungsräume, wobei kleine Sounds ausgelöst werden. Die Türen sind mit scheinbar einander ausschließenden Aussagen beschriftet „Ich will Veränderung wagen“ versus „Ich will schützen, was wir haben“. Man muss in der Ausstellung immer eine von zwei Möglichkeiten wählen. DETOX können sich nicht in dieser zugespitzten, binär gedachten Weise entscheiden. So laufen wir immer hin und her, vorwärts und rückwärts, zusammen und alleine, unsererseits auch ohne Lösung. 98% Verzweiflung, 2% Witz.

Fotos: DETOX

Video: Anton Vasilyev

11. Dezember 2023
performance intervention am KaDeWe Berlin

18 – 20 Uhr vor dem Berliner KaDeWE (Kaufhaus des Westens).

Unangekündigte Intervention im öffentlichen Raum. Aus den Lautsprechern über den Schaufenstern des KaDeWe in Berlin Schöneberg rieselt Christmas Jazz, manchmal auch Pop. DETOX spielen leise mit. Maja mit der Trompete, Anton mit einer Schreibtafel, auf die er alles schreibt, bei dem wir als Teilnehmende westlicher Konsumgesellschaften mitspielen: immer neue Ölbohrungen im Amazonasgebiet, Gewalt an den Europäischen Außengrenzen, Tausende Tote in Gaza, Aufstieg des Rechtsradikalismus. Wir haben auch keine Lösung. Wir spielen mit. 98% Verzweiflung, 2% Witz.


Foto: Clio van Aerde


Foto: Clio van Aerde

Machtmissbrauch / Populismus / Globale Ungleichheit / Sklaverei / Kolonialismus / 2 Grad Celsius / 700 Menschen im Boot / Moderne Sklaverei / Gaza / Rwanda-Deal / Jin Jiyan Azadî / CO2 / Afghanistan / Lampedusa / „Green Tech“ – Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo / 25% AfD / Korruption / LGBT in Russland / Ölbohrungen im Amazonas / Right Wing World / Rüstungsindustrie / Moria / Datenklau / Lobbyismus / Rheinmetall / Fossile Brennstoffe / things we don’t even know / Heckler und Koch / Ausbeutung / MITSPIELEN / VERSTRICKTSEIN

11. November 2023
Intervention bei Musik21 Festival Hannover

Performance beim Festival Musik 21 „Kipppunkte“ im Konzert von Ensemble Mosaik während der Aufführung von Antons Stück „Camp Linden Nord“

DETOX bei Musik 21 in Hannover. Während der Uraufführung von Antons Komposition „Camp Linden Nord“ im Konzert des ensemble mosaik putzt Maja Antons Honorar mit einer Zahnbürste. Nach ca. 120 Minuten hat sie die eine Seite einer Münze etwas sauberer gemacht. 98% Verzweiflung, 2% Witz.

9. Oktober 2023
Konzert/Performance in der 4bid Galerie Amsterdam

Konzert/Performance in der 4bid gallery Amsterdam

DETOX on Tour als Duo. Improvisierte Musik und Performance in einer Galerie in Amsterdam. Etwa eine Stunde lang spielen wir in einem komplexen Setup aus miteinander verkabelten Instrumenten und über Transducer angeschlossenen Resonatoren aus Alltagsgegenständen. Die Kontrolle über die Klänge liegt irgendwo zwischen uns und den Maschinen. Der Abend beginnt mit dem Sound unserer münzenschrubbenden Zahnbürsten aus einem Mülleimer im Hof der Galerie und endet nach dem Ausfall der gesamten elektronischen Verstärkung gegen Ende der Performance als Duo einer Bambusflöte vom Markt in Bangalore mit einer unverstärkten E-Gitarre. 98% Verzweiflung, 2% Witz.
Danach ein spannendes und inspirierendes Publikumsgespräch.


Photo: Lisa Hofmann


Foto: Anton Vasilyev

10. und 11. September 2023
Musik / Performance at AckerStadtPalast Berlin

Live Musik / Performance @ AckerStadtPalast Berlin

Gäste:
QiQi Zheng – Tanz, Kontorsion, Performance Art (Sonntag)
Wieland Möller – Drumset & Performance (Montag)

Gefördert von: Musikfonds

Foto: Detox

An zwei aufeinanderfolgen Abenden putzen DETOX ihre erste öffentliche Förderung durch den Musikfonds – an einem Abend unterstützt durch die Performance Künstlerin, Voguetänzerin und Kontorsionistin QiQi Zheng, am anderen durch den Schlagzeuger und Performer Wieland Möller. Auf einer Berliner Off-Bühne versuchen wir, einem Haufen aus Großstadtmüll Poesie abzuringen, uns und unsere Instrumente konstruktiv miteinander zu vernetzen, suchen öffentlich miteinander nach neuen Formen der Kooperation und geteilter Kontrolle über das Ganze. Fetzen einer Jazzband, singende Mülleimer, ein Körper dessen Verrenkungen zugleich auf das Verwickeltsein in globale Dynamiken hinweist, wie auch die Sehnsucht ausdrückt, sich irgendwie aus ihnen herauswinden zu können. 98% Verzweiflung, 2% Witz.

11. August 2023
Musik/Performance/Lesung online aus ísafjörður (IS) und Berlin

11.08.2023

Musik/Performance/Lesung online. Das Live Event wird gleichzeitig aus Berlin (Deutschland) und ísafjörður (Island) gesendet.

DETOX pausenlos. Sogar im Hochsommer wird Geld gewaschen. Aus verschiedenen Enden Europas lesen wir in einem Zoomcall aus unserer Sommerlektüre vor. Es geht um Freundschaft, Schulden, Resonanz und das Kapital im 21. Jahrhundert. Zwischendurch versuchen wir, einen Cent zu waschen, indem wir ihn online hin und her überweisen und den dabei entstehenden Internet-Traffic durch Sonifizierung für die Gäste hörbar machen. 98% Verzweiflung, 2% Witz.

Literaturliste

Verschiedene Autor*innen der südafrikanischen Online-Zeitung THE CONTINENT
David Graeber: Schulden – die ersten 5000 Jahre
Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert
Hannah Arendt: Freundschaft in finsteren Zeiten

11. Juli 2023
Musik/Performance im Stromkeller eines Mietshauses

Musik/Performance im Stromkeller eines Kreuzberger Mietshauses.
Eine Intervention im öffentlichen Raum, die man von der Straße aus verfolgen kann.
Anschließend Lagerfeuer.


Foto: Ivan Mrsic

Vierter DETOX – Kellerwaschgang. Wir öffnen den normalerweise eher versteckt liegen Stromkeller unseres Wohnhauses in Berlin Kreuzberg zur Straße hin und nutzen ihn als Metapher für unsichtbare Verstricktheit, Komplexität und Undurchsichtigkeit. Musikalisch arbeiten wir mit einer größeren Auswahl elektronischer und akustischer Instrumente, die über Transducer mit auf der Straße stehenden Putzeimern elektronisch verstärkt werden. Einzelne Momente dieses Waschgangs sind das inzwischen schon routinierte Abhören der eigenen vier Wände per Mikrofon und Feedbacks, die Arbeit mit weiteren, neuen Textfetzen aus der südafrikanischen Zeitung THE CONTINENT und ein weiteres, Whistleblowern gewidmetes, möglicherweise nur noch zu 1% witziges und zu 99% verzweifeltes Blockflöten-Solo.

11.Juni 2023
Musik/Performance im Stromkeller eines Mietshauses.

Die dritte Performance im Keller unseres Hauses.
Eine Intervention im öffentlichen Raum, die man von der Straße aus verfolgen kann.

Drittes DETOX-Kellerkonzert. Für unseren Waschgang im Juni nutzen wir erneut den Keller unseres Hauses in Berlin-Kreuzberg. Wir öffnen den sonst verborgenen Keller des Hauses zur Straße hin und verwenden ihn als Metapher ein für unsichtbare Verstricktheit, Komplexität und Undurchsichtigkeit. Musikalisch nutzen wir ein größeres Setup verschiedener elektronischer und akustischer Instrumente, die über Transducer mit auf der Straße stehenden Putzeimern elektronisch verstärkt werden. Einzelne Momente dieses Waschgangs beinhalten das Abhören unserer eigenen vier Wände mittels Mikrofon und Feedback, die Arbeit mit Textausschnitten aus der südafrikanischen Zeitung THE CONTINENT sowie ein Blockflötensolo, das Julian Assange gewidmet ist. 98 % Verzweiflung, 2 % Witz.


Photo: Maja von Kriegstein


Photo: Anton Vasilyev

11. Mai 2023
Online-Performance aus Arnhem (NL) und Berlin

Eine Online-Performance auf zoom.

DETOX nimmt den Bildungsauftrag der Kunst ernst. In einem Zoomcall, den wir gleichzeitig aus einer Kunstakademie in den Niederlanden und der Berliner Homebase hosten – wird aus einer der theoretischen Grundschrift von DETOX gelesen – David Graebers „Schulden, die ersten 5000 Jahre“. Darüberhinaus stellen wir unsere bisherige Waschmethoden zur Diskussion und testen erstmals öffentlich Antons neuen Online-Überweisungs-Sonifikator. Gegen Ende werden uns Majas Revolutionsetüde am Steinway schließlich unsere ganze Veranstaltung von China aus der Hand genommen. 98% Verzweiflung 2% Witz.

Video: Anton X


Still from Performance: Detox


Photo: Karolina Rupp

11. April 2023
Musik/Performance im Stromkeller eines Mietshauses

DETOX zum zweiten Mal im Keller. Für unseren Waschgang im April nutzen wir wieder den zur Straße hin geöffneten Kellerraum unseres Wohnhauses in Berlin Kreuzberg. Ein selten betretener, eher versteckter Ort – zugleich sind dort die Stromzähler für das ganze Haus angebracht. Der Raum wird dadurch zu einer Art Schaltzentrale. Wir setzen ihn als Metapher ein für unsichtbare Verstricktheit, Komplexität und Undurchsichtigkeit. Musikalisch nutzen wir diesmal ein sehr schlankes Setup von wenigen Wasch-Klängen, die über Transducer mit auf der Straße stehenden Putzeimern elektronisch verstärkt werden. In diesem Waschgang steht das Abhören der eigenen vier Wände per Mikrofon und Feedbacks im Fokus. 98% Verzweiflung, 2% Witz.


Photo: Vinicius Giusti


Photo: Vinicius Giusti

26. März 2023
Performance/Intervention beim Festival Maerz Musik

MaerzMusik Festival im Haus der Berliner Festspiele 2023.

Releaseparty der Ausgabe #134 „MoneyMustBeFunny SPEZIAL“ der Zeitschrift „positionen Texte zur aktuellen Musik“ in der Library of MaerzMusik.

DETOX hat als Autor*innenteam eines Artikels in diesem Heft 50€ verdient und ist nun vor Ort um sie zu waschen.

98% Verzweiflung 2% Witz.

Foto: Vinicius Giusti

11. März 2023
Musik/Performance im Stromkeller eines Mietshauses

Video: Vinicius Giust / Anton X

DETOX in der Grauzone von privat und öffentlich. Für unseren Waschgang im März nutzen wir einen zur Straße hin geöffneten Kellerraum unseres Wohnhauses in Berlin Kreuzberg. Ein selten betretener, eher versteckter Ort – zugleich sind dort die Stromzähler für das ganze Haus angebracht. Der Raum wird dadurch zu einer Art Schaltzentrale. Wir setzen ihn in diesem Waschgang als Metapher ein für unsichtbare Verstricktheit, Komplexität und Undurchsichtigkeit. Musikalisch nutzen wir ein größeres Setup verschiedener elektronischer und akustischer Instrumente, die über Transducer mit auf der Straße stehenden Putzeimern elektronisch verstärkt werden. So erreichen wir sowohl eingeladenes wie auch zufällig vorbei laufendes Publikum. Es ist nicht ganz klar, ob der Kaffee, den wir auf der im März in Berlin noch ziemlich kalten Straße ausschenken, vorher schon als Waschwasser benutzt wurde. Wahrscheinlich ja. Und wir trinken wir den ganzen Geld-Dreck einfach wieder in uns hinein. 98% Verzweiflung, 2% Witz.


Photo: Vinicius Giusti

11. Februar 2023
Video Snippet - Geldwaschen auf Social Media

Ein Rubel ein Euro
Video-Snippet auf Social Media

Video: Detox

Als erste der monatlichen Waschungen, veröffentlichen wir ein Mini-Video auf Social Media. Darauf zu sehen, ist der zentrale symbolische Akt des Geldwäsche-Projektes: Vier Hände versuchen, mit zwei Zahnbürsten zwei Münzen sauer zu kriegen. DETOX. 98% Verzweiflung, 2% Witz.

Februar 2023
Publikation in positionen – Texte zur aktuellen Musik

Money Laundering
Publikation in positionen – Texte zur Neuen Musik Positionen. Texte zur aktuellen Musik.


Photo: Positionen

DETOX als Autor*innen-Team. Als Auftakt zu den monatlichen Performances und als Dokumentation frühere Geldwasch-Arbeiten schreiben wir einen Beitrag für die Zeitschrift positionen – Texte zur Neuen Musik. Wir kündigen an, ab sofort einmal monatlich auf unser eigenes und das allgemeine Verstricktsein in die globalen Kapitalströme aufmerksam zu machen indem wir unser Geld waschen. 98% Verzweiflung, 2% Witz.